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Interview mit Landesrat Stephan Pernkopf

Themen: Herausforderungen der LW, Produktionsstärke in der Landwirtschaft, GAP-Reform, ÖPUL, Rolle des ländlichen Raumes und der Fachschulen

"Wir brauchen eine produktionsstarke und ökologische Landwirtschaft"

Stephan Pernkopf, NÖ Agrar-Landesrat und Präsident des Ökosozialen Forums im Gespräch über die Herausforderungen in der Landwirtschaft und die Zukunft des ländlichen Raumes.

Vor welchen Herausforderungen steht die Landwirtschaft im Jahr 2013?

Das Jahr 2013 wird ein ganz entscheidendes Jahr für die Landwirtschaft. Es steht eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf europäischer Ebene ins Haus und auch der Finanzrahmen der Europäischen Union wird bis 2020 festgelegt. Diese beiden Ereignisse werden die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft nachhaltig bestimmen und darum ist es Aufgabe der Politik, diese im Sinne der BäuerInnen und Bauern zu gestalten.

Es müssen langfristig zielführende Lösungen auf den Tisch und kein kurzfristig populäres Stückwerk, denn das schadet uns mehr, als es uns hilft.

Welche konkreten Änderungen bringt die GAP-Reform mit sich?

Es wird zu einer Änderung in der 1. Säule der GAP, den Direktzahlungen, zu einem Regionalmodell kommen. Dadurch müssen aufgrund der strukturellen Unterschiede aber Gestaltungsspielräume offen bleiben. Auch wird ein ausreichend langer Übergangszeitraum nötig sein, der eine Umstellung ermöglicht.

In der 2. Säule, der ländlichen Entwicklung, wird es notwendig, dass die Programme - vom Bergbauernprogramm über das Umweltprogramm (ÖPUL) bis hin zur Investitionsförderung - in Zukunft weitergeführt werden. Wichtig ist auch das diese Programme auf den Bauernhöfen entsprechend ankommen.  

In welche Richtung soll sich also die Landwirtschaft entwickeln? Es gibt nicht wenige, die durch die Reform die Verschiebung in Richtung von Großbetrieben befürchten.

Wir brauchen eine produktionsstarke Landwirtschaft, die ökologisch ist. Das bedeutet aber nicht, dass wir unsere Strukturen deshalb aufgeben müssen. Ganz im Gegenteil, wir müssen das bestehende Potenzial ausschöpfen und das bedeutet, mit den vorhandenen Flächen bestmöglich zu wirtschaften. Einer nachhaltigen Intensivierung steht nichts im Weg, hier müssen neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Einsatz gebracht werden. Es gibt bereits Praxisbeispiele, bei denen durch weniger Düngung mehr Ertrag erzielt werden konnte. Diese Entwicklungen müssen wir nutzen und wir haben bewiesen, dass wir das auch können und tun.

Im November letzten Jahres gab es erste Verhandlungen über das EU-Budget, das ab nächstem Jahr in Kraft tritt und bis 2020 gelten soll. Was erwarten Sie sich von den kommenden Verhandlungsrunden und welches Ergebnis ist für Sie vertretbar?

Derzeit haben wir 4,1 Milliarden Euro pro Jahr in der ländlichen Entwicklung zur Verfügung. Dieses Budget wollen und brauchen wir auch in Zukunft. Hier gibt es einen Knackpunkt, denn gerade in diesem Bereich waren Einsparungen vorgesehen. Der erste Vorschlag von 2,9 Milliarden Euro war schlichtweg inakzeptabel und auch dass nun zusätzlich 700 Millionen zugesagt sind, ist nicht befriedigend. Denn es fehlen immer noch 500 Millionen, um auf das bisherige Volumen zu kommen. Diesen Umstand und die Forderung sich bei den Verhandlungen nicht kleinkriegen zu lassen, habe ich Bundeskanzler Faymann (Verhandler Österreichs beim EU-Budget, Anm. d. Red.) zur  ersten Verhandlungsrunde im November nach Brüssel mitgegeben. Ich erwarte mir, dass er Rückgrat beweist und sich für die heimischen Bauern und den ländlichen Raum einsetzt.  

Zum Abschluss: Welche Rolle kommt dem ländlichen Raum zu und welche Chancen sehen Sie für die Zukunft?

Der ländliche Raum ist einerseits bäuerlicher Produktionsraum und andererseits Wohn- und Lebensraum. Diese Tatsachen gilt es in Einklang zu bringen, damit es nicht zu einer einseitigen Verschiebung kommt. Ländliche Gebiete befinden sich ständig in Bewegung, Neuerungen dürfen nicht verschlafen werden. Hier kommt den Landwirtschaftlichen Fachschulen große Bedeutung zu. Als Bildungseinrichtungen sind sie an Innovation und Fortschritt maßgeblich beteiligt.

Aufgabe der Politik ist beispielsweise eine attraktive Infrastruktur zu gewährleisten, damit vor allem für die  junge Bevölkerung Anreize geschaffen werden, auch weiterhin am Land leben zu wollen. Ein ganz wichtiger Faktor für Familien und Betriebe ist auch die Planungssicherheit. Sie brauchen verlässliche Partner, die ihren Versprechungen gerecht werden und sich nicht mit dem Wind drehen. Genau so ein Partner ist das Land Niederösterreich und das soll auch so bleiben.